| Kategorie: | Konzert |
| Eintritt: | VVK: 18 € | AK: 22 € | Erm: 18 € |
| Raum: | Halle |
| Raum: | Bahnhof Langendreer |
| Einlasszeit: | 19:30 |
| – | günstige Tickets zum print@home in unserem Ticketshop |
| – | Tickets bei eventim |
| – | Vorverkauf im café endstation.kino |
Wallis Bird ist der leibhaftige Gegenentwurf zu den zahllosen Gesichtern, die von der „15-Minuten-des-Ruhms"-Welle an den Charts-?Strand gespült werden, ohne uns wirklich zu berühren. Wenn die irische Sängerin, Songwriterin und Gitarristin am 11.04.2014 ihr neues Album Architect veröffentlicht, dann ist das in vielerlei Hinsicht der bisher größte Triumph einer Künstlerin, die sich ihren Erfolg Schritt für Schritt erkämpft hat, zu der jeder, der sie für sich entdeckt, eine Verbindung aufbaut, und deren Werdegang alles andere als arm an Triumphen ist.
Bereits als kleines Mädchen, das bei einem Unfall alle Finger der linken Hand verlor, triumphierte sie über ihr Schicksal - nicht, weil ihr bis auf einen alle Finger wieder angenäht wurden, sondern weil sie trotz dieses traumatischen Erlebnisses begann Gitarre zu spielen und heute zurecht als virtuose Musikerin gefeiert wird, die ihren ganz eigenen Stil entwickelte, indem sie ihr Instrument seitenverkehrt spielt ohne die Saiten umzuspannen. Sie selbst bezeichnet das als ihr „Mojo". Ihre erste EP Branches Untangle war ein Triumph, weil sie sich, obwohl in Eigenregie veröffentlicht, allein in Deutschland über 5000 Mal verkaufte, ihr als erste Künstlerin ohne Plattenvertrag einen Auftritt beim renommierten New-Pop-Festival einbrachte und die daraus ausgekoppelte Single »Blossoms In The Street« sich ganze zwanzig Wochen in den Airplay-Charts hielt. Ihr 2008 erschienenes Debüt?Album Spoons war ein Triumph, weil es in Großbritannien auf Platz fünf der digitalen Album-Charts reüssierte und weil sie in der Folge mit dem irischen Meteor Award als »größte Hoffnung« ausgezeichnet wurde. Ihr zweites Album New Boots war ein Triumph, weil es in Irland auf Platz 14 der offiziellen Album?Charts einstieg und ihr einen weiteren Meteor Award als »beste irische Künstlerin« einbrachte. Ihr drittes, selbstbetiteltes Album (2012) war ein Triumph, weil es, obwohl es als erstes ihrer Alben nicht auf einem Major sondern auf ihrem eigenen Label erschien, ihr bis dahin mit Abstand erfolgreichstes werden sollte, in Deutschland die Top 100 knackte, weil Wallis mit der Tour zum Album auf achtzig Terminen quer durch Europa über 30.000 Besucher erreichte, sie von der internationalen Presse mit Lobeshymnen überhäuft und in ihrer Heimat für den Choice Music Price, das irische Äquivalent zu den renommierten Mercury Awards, nominiert wurde.
Jeder einzelne ihrer Live-Auftritte ist ein Triumph, weshalb sie für ihre ausdrucksstarke Stimme, deren Spektrum vom zarten Flüstern bis hin zum explosiven Schreien reicht, ihr extraordinäres Gitarrenspiel, vor allem aber für ihre erfrischend ehrliche, humorvolle und mitreißende Art, nicht nur von den Fans frenetisch gefeiert und mit ausverkauften Konzerten belohnt wird, sondern zu Recht als »eine der energetischsten Performerinnen dieser Tage« (Daily Express)
Eine beeindruckende Karriere also, die Wallis Bird da in den letzten sieben Jahren, über drei Alben, mehr als 600 Shows – unter anderem auf Einladung so illustrer und grundunterschiedlicher Stars wie The Gossip, Emiliana Torrini, Boy, Billy Bragg, Ina Müller und ZAZ — und mit einer organisch gewachsenen und paneuropäischen Band im Rücken hingelegt hat. Und das auf einem Energie?Level, dass die meisten Künstler niemals erreichen–nicht weil sie nicht wollen, sondern weil sie nicht können. Und Wallis Bird kann. Und wie.
Trotzdem ist ihr mit ihrem neuen Album Architect etwas gelungen, das allem bisher Erreichten die Krone aufsetzt. Denn der eigentliche Triumph von Architect, und damit — wie gesagt — ihr bisher größter Triumph überhaupt, besteht weder darin, dass Wallis Bird mit ihrem viertem Album erfrischend selbstbewusst auf Genregrenzen pfeift, oder darin, dass es ihr gelingt, dabei nicht einen Deut an Originalität einzubüßen, sondern ihr Profil sogar noch zu schärfen. Noch erschöpft er sich darin, dass sie ihre stilistische Bandbreite um Elektro?Einflüsse bereichert hat—auch wenn die Homogenität, mit der die Inspirationen, die sie aus den durchgetanzten Nächten in ihrer neuen Wahlheimat Berlin mitgenommen hat, in den typischen Wallis?Bird?Sound einfließen, in der Tat sensationell ist. Was nicht zuletzt darin begründet liegt, dass sie auch für Architect wieder mit ihrem Stammproduzenten Marcus Wüst zusammengearbeitet hat. Kein Wunder also, dass Architect - und allem voran die wundervoll minimalistische, R&B? befeuerte erste Single? Auskopplung »Hardly Hardly«, ein herrlich clubbiger Ohrwurm, zudem wir uns im Sommer noch alle mit wundgetanzten Hacken euphorisch in den Armen liegen werden — ein enorm zeitgemäßes Album geworden ist, das dennoch nicht mal für eine Sekunde in unterkühltem Hipstertum versandet, sondern Wallis auch noch von ihrer bislang souligsten Seite.
Nein, Architect ist deshalb Wallis Birds größter Triumph, weil ihr mit diesem Album ein Werk gelungen ist, das sich noch entschiedener im Hier und Jetzt positioniert, als alles, was sie bisher geschrieben und aufgenommen hat - vielleicht, weil sie dabei noch nie so sehr bei sich selbst war, wie diesmal. Architect feiert den Moment, den Augenblick des Überwindens und Loslassens, des Aufbruchs. Es ist ein in Songs gegossener Triumph über die langen Schatten der Vergangenheit und die vermeintlichen Verpflichtungen gegenüber der Zukunft zugleich.